Kaliningrad 2006: Prolog

Prolog

2006 sollte ein besonderes Segeljahr werden. Nach den eher bescheidenen Ostseetouren 2003 und 2004 wollten wir mal wieder eine richtige Entdeckungsreise machen und da bot sich das verhältnismäßig nahe liegendes "richtige Ausland" in Europa an. Wir wollten das ehemalige "Ostpreussen" mit der Hauptstadt Königsberg (Kaliningrad) in der russischen Föderation besuchen.

Die Reise wurde für Mitte Juli bis Mitte August 2006 geplant und begann wieder direkt vor unserer Haustür, d.h. am Pohlesee in Berlin-Wannsee. Sie ging in bewährter Weise über Kanäle und Oder nach Stettin. Nachdem der Mast Ostsee-fest getrimmt war, alles seefest gestaut war, sollte dort die eigentliche Seereise dort beginnen, wo wir 2004 wieder die Heimreise antreten mussten, an der Mündung des östlichen Oderarms, der Dziwena bei Dziwnow (Diwenow). Dort wollten wir dann die Pommersche Küste nach Nordosten hinauf segeln, wollten die kleinen Häfen mit den Seen im Hinterland (Kolberg, Rowi, Leba usw.) besuchen: Von Hel (Halbinsel Hela) wollten wir die Danziger Bucht queren, um die Weichselarme nutzen können, gewissermassen als Einfahrt in das frische Haff, als besonders bequemem Weg nach "Russland". Unsicher waren wir aber, ob wir überhaupt über dass Haff nach Kaliningrad einreisen konnten.
So hofften wir verlässliche Hinweise von der russischen Botschaft zu bekommen oder evtl. auch von anderen Seglern. Dies waren so die Planungen und erste Vorbereitungen auf die Tour. Darüber hinaus begannen frühzeitig wir mit Verbesserungen der Ausrüstung. Durch die Vermietung in 2005 konnten wir wieder etwas investieren! Den Mietern sei Dank!

"Argo" bekam einen neuen Aussenborder, einen sehr leisen 9,9 PS Yamaha Zweizylinder Viertakt Schubmotor. Eingebaut wurde auch eine UKW Seefunkanlage mit DCS/Atis und endlich bekam "Argo" auch ein einfaches GPS Gerät, einen Garmin 72. Für eine Windmessanlage hatte es leider noch nicht ganz gereicht, vielleicht im nächsten Jahr mit neuen Kunden!

So weit, so gut! Dies als Prolog und Einstimmung in den Bilderreisebericht! Oben sehen Sie den Fotografen in Aktion. Vorweg wie immer das Logbuch in kurzer Form. Man beachte bitte die Spalte Hafengebühren.

"Argo" goes Kaliningrad

Große Fahrt und später Start! Das waren die Vorzeichen für unseren Törn. Für den 16. Juli war der Start geplant. Eigentlich sollte es frühzeitig losgehen, vielleicht endlich mal am Vormittag. Der Vertrauensvorschuß in mich war nicht sehr groß, dass ich das schaffen könnte. Meine Frau und die Kinder sollten wieder einmal Recht behalten. Es war ja noch so viel zu bedenken und vor allen Dingen mitzunehmen, auf so einen langen Törn. Freunde sollten unterwegs zusteigen, da mussten dann auch schon "Plünnen" mitgenommen werden. Werkzeug durfte nicht fehlen und aus dem "Segelrepertoir" sollten neben der Fock und Sturmfock, die Kevlar-Genua, die kleine- und die mittlere Genua und eine weitere Sturmfock als mögliches Trysegel mitgenommen werden.

Schließlich war doch die letzte Kiste verstaut, schnell ein letzter Check ,ob auch das Kartenmaterial und die Reisedokumente komplett an Bord waren und mit der festen Abfahrt die Abfahrt nicht auf Morgen zu verschieben, legten mit kleinster Besatzung zu zweit ab, fest entschlossen noch zur Nacht die Berliner Stadtgrenze zu erreichen.
Gut, dass wir Routine haben! Kurz vor der Wannseebrücke wurde der Mast etwa zum etwa 190–zigsten Male ohne Probleme gelegt, etwa in Höhe des Strandbades für die nächsten 110 sm kanal- und flussfest gezurrt und der neue Motor für die Reisegeschwindigkeit von 5,5 kn auf etwa "Viertelgas" eingepegelt.

Erstaunlich wie ruhig und erschütterungsfrei der Motor läuft. Die Rechnung läuft und wir sind gespannt wie viel der neue Motor im Vergleich zum bisherigen 5-er Honda Einzylinder Viertakter verbrauchen wird. Der hat uns fast immer mit etwa 0,7 Litern in der Stunde und machmal sogar mit etwas weniger zur Ostsee geschoben. So konnten wir uns fest darauf verlassen, dass wir nach 27 Litern Verbrauch den Mast hinter dem Stettiner Hafen stellen konnten. Und dann war Benzinsparen, d.h. Segeln angesagt.

Aber zurück zur abendlichen Fahrt zur Stadtgrenze. Etwa gegen 20.00 Uhr erreichten wir die Schleuse Spandau, wo wir ohne großen Aufenthalt aufwärts geschleust wurden und die gute Chance erhielten, es doch noch bis zu unserem beliebten Ziel bei Ostseefahrten, dem Restaurant Skipper im Yachthafen Henningsdorf, zu schaffen. Dazu wurden der 9,9-er auf "Drittelgas" gestellt. Und mit 6,6 kn liefen wir dann gegen 22.10 in Henningsdorf in den Havelkanal ein, um 5 min später fest vor dem Restaurant Skipper zu liegen. So als letzte Gäste bekamen wir noch einen kleinen Imbiß mit dem Versprechen, auch am nächsten Morgen ein kleines Frühstück einnehmen zu können. Nach dem Stress der letzten Tage kehrte eine wohlige Ruhe ein, mit der Gewissheit endlich unterwegs und das auf der Fahrt zur Ostsee, die landschaftlich immer schön und entspannend ist.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im herrlichen Sonnenschein auf der Terrasse etwas oberhalb des Schiffes starten wir gemütlich gegen 11.00 Uhr, hatten bald wieder 5,5 kn auf dem "Tacho" und sind bei schönsten Wetter und ruhiger Fahrt bald an der Schleuse Lehnitzsee. Dort geht es so richtig hoch auf den Oder-Havelkanal und wir können die Großstadt weit hinter uns lassen. Diese Stück der Reise ist uns gut bekannt, hier kann auch endlich die Selbststeueranlage ans Werk, der "eiserne Gustav", gute Bücher zum Lesen werden herausgeholt und trotz der Hilfe "Gustav" müssen wir natürlich gut Ausschau halten.

Etwa auf der Hälfte der Strecke zum Schiffshebewerk sind wir plötzlich "mutterselenallein" auf dem Kanal, keine Schubas mehr, kein Sportverkehr, wir haben den Kanal für uns und das irritiert uns mächtig. Sollte sein, dass etwa das Schiffshebewerk geschlossen wurde wegen sommerlichen Reparaturarbeiten oder ist vielleicht nur ein Teil des Kanals gesperrt! Haben wir Schilder übersehen? Derartige Gedanken beschleichen uns und sehen uns dann vor dem Hebewerk , wo keinerlei Schiffsverkehr mehr zu erkennen ist, absolut in unsreren Befürchtungen bestätigt. Das UKW Funkgerät ist noch nicht richtig angeschlossen, so dass wir das Hebewerk auch nicht anrufen können und wir werden immer unruhiger.
Und dann endlich so in der Ferne kommt endlich ein polnischer Schuba auf, schiebt seine Schute ins Hebewerk und mit dem Abkoppeln werden wir endlich auch von einer freundlichen Frauenstimme per Lautsprecher aufgerufen mit der Schute zu schleusen.

So kommen wir dann abends mit der Dämmerung noch nach Oderberg, können am Bollwerk festmachen und haben so am ersten richtigen Urlaubstag, ein endlich ein würdiges Etmal von 58 sm zurückgelegt. Am Bollwerk werden wir von einem freundlichen älteren Herr der Stadtverwaltung begrüßt, der von uns den stolzem Betrag von 2,30 Euro gegen Quittung als Liegekosten kassiert und bekommen einige betrübliche Informationen für den Bootssport.

Die Tankstelle in Oderberg hat geschlossen, die Marina Oderberg soll in Konkurs gehen und für Bootstouristen wichtige Toilette am Naturkunde Kiosk ist natürlich nur zu den Zeiten geöffnet, wenn die großen Flussschiffe zweimal in der Woche anlegen. Als wenn die an Bord nicht sogar bessere sanitäre Einrichtungen haben! Jedenfalls ist noch ein Restaurant mit Pension geöffnet und man ist auch noch bereit uns eine Mahlzeit zu bereiten und am nächsten Morgen ein Frühstück. Das kommt sich hier richtig vor, als wenn man im "Osten" wäre.

Dies steht im Kontrast zum Polen. Speziell dort waren die Häfen in sehr gutem Zustand, z.T. neu mit guten Waschgelegenheiten, sauberen Toiletten und günstigen Preisen. Fast jeder war auf Touristen eingestellt. Meist fanden wir freundliche engagierte junge Leute, sehr bemüht den Seglern und den Gästen zu helfen. Bei uns hat Polen einen sehr guten Eindruck hinterlassen!

Die russische Förderation ist nicht jedermanns Sache. Es hat sich aber gelohnt, die Landschaft ist wunderbar. Die Einreise ist aber mit Aufwand verbunden, man braucht ein Visum, viele Papiere, neueste Seekarten und Geduld bei der Einreise. Zum Einklarieren wurde uns in Pillau (Baltijsk) z.B. gegen 18.00 Uhr ein einsamer Liegeplatz im Zollhafen zugewiesen. Erste um 01.00 Uhr in der Früh kam der Zoll an Bord. Bis alle Papiere kontrolliert und zusätzliche unverständliche Formulare ausgefüllt waren war es dann 03.00 Uhr in der Früh. Leider war dann noch nicht geklärt, auf welche Weise wir am nächsten Morgen weiter fahren durften. An Anruf über UKW gegen 11.00 Uhr brachte zunächst noch keine Klarheit, ob wir allein oder nur mit Lotsen fahren durften. Ein halbe Stunde später half uns die neuste Seekarte der Britischen Admiralität mit der Ansteuerung von Kaliningrad. Die bloße Information und Durchgabe der Kartennummer überzeugte Baltijsk Control, dass wir ohne Aufsicht nach Kaliningrad fahren durften. Wir sind dann bis zu unserer Ausreise nie mehr kontrolliert worden und fanden als eine der wenigen ausländischen Yachten (wir waren die Nummer 43 in 2006) kaum Beachtung.

Insgesamt ist die Reise ohne Probleme verlaufen. Weite Teile der Reise waren wir nur zu zweit unterwegs, was aber vollständig ausreichend ist, weil die Sportster ein handiges Schiff ist. Wir kamen nach fast nach 4 Wochen und über 880 sm erholt und ausgeruht wieder zurück, motiviert für neue interessante Reisen ganz im Sinne der sagenhaften "Argo".

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Diese Seite wurde zuletzt am 21.03.2008 um 22:54 Uhr aktualisiert.
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