Kundentouren: Der Weg ist das Ziel
Im Herbst 2008 machte mein Mann seinen Bootsführerschein, also war klar – wir brauchen ein Boot. Im Internet recherchiert kamen wir schnell zur privaten Bootsvermietung von Herrn Hahn. Zwei, drei E Mails, dann war alles klar – Werkswoche – 5 Tage gebucht.

7.6. Gegen 18 Uhr trafen wir in der Alsenstraße ein – ein herrlich gelegene Steganlage. Welches Boot wird es sein? Herr Hahn kam auch gleich und schon gings los mit der Einweisung. Die Männer – wie ist`s mit dem Motor, Tanken, Gerätschaft am Cockpit. In dem Schrank sind die Wasserkanister und für mich – so geht das mit dem Kocher. Alles klar.. Boot packen. Da wir wussten dass wir unterwegs zur Tanke laufen müssen da der Sprit nicht reicht haben wir vorsorglich eine Sackkarre gekauft, die jetzt schon gute Dienste tat. Boot klar 19.45 Uhr. Abends klarte es auf und die Sonne zeigte sich am frühsommerlichen Himmel. Vom Pohlesee über den großen Wannsee – Achtung immer schön aufpassen mit den flachen Stellen – in Richtung Spandauer Schleuse. 21.40 Uhr Schleuse erreicht, niemand wartet, wir sind ganz allein, wir müssen was tun 22 Uhr schließt die Schleuse. Also anrufen. Der Mann am Telefon – Ich glaub ich hab grad grün geschaltet !! Das riesige Schleusentor öffnet sich – jetzt unsere erste Schleusung – hineinfahren – langsam an die Wand – Stange suchen – Seile durch und ab geht’s . Alles hat super geklappt. Gleich nach der Schleuse machen wir fest, neben lauter Dickschiffen. Es ist jetzt sehr feuchte Luft – was haben wir vergessen ? Die Persenning muss gegen 20 Uhr zu sein, sonst haste eine feuchte Wohnung und die hatten wir nun in der ersten Nacht. Schnell noch ein Süppchen auf den Kocher. Danach Katzenwäsche und Zähneputzen. Was hat Herr Hahn gesagt – wo stehen die Wasserkanister – im Schrank ?! Schrank auf – Kanister leer. Oh Schit. Also Selters geopfert und für die Haut gibt’s super Havelwasser.

8.6. Punkt 6 Uhr der erste Flieger von Tegel saust über unsere Köpfe. Also aufstehen – Frühstück – Kaffee mit Selters, für jeden ein Ei und Zwieback. Zwieback ist überhaupt eine tolle Sache – er ist immer frisch und knackig, er ist super verträglich und macht satt. 10 Uhr , wir sind an der Schleuse Lehnitz. Diesmal warten auch andere Boote. Die Schleuse öffnet , die Ampel wird grün – lass erst welche vor damit wir nicht ganz vorn sind, da sprudelt immer soviel Wasser durch die Gegend. Und so ist es dann auch – die Crew vor uns hat ganz schön zu kämpfen. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir den Finowkanal. Im 17ten Jahrhundert wurde er gebaut. Er ist 32 km lang und hat 12 Schleusen. Er ist gar nicht mehr wie ein Kanal – er ist zur idyllischen Landschaft geworden. Die 12 Schleusen werden alle mit der Hand nach alter Manier von Schleusenwärtern bedient. Manchmal muss man warten weil ein Wärter mehrere Schleusen bedient. Aber das ist kein Problem , man sollte nur genügend Zeit mitbringen. Ich hab übrigens mal probiert die Tore zu öffnen – das ist schwere Arbeit, das kann ich Euch sagen. An der zweiten Schleuse – Leesenbrück – wartet mit uns ein Schiff Namens Perseus. Gegen die Perseus sind wir eine Nussschale, sie hat , so denke ich, 3 Decks ist fast doppelt solang und auch etwas breiter als unser Boot. Sie wird von zwei sehr netten Leuten bewohnt. Gemeinsam tuckeln wir nun mit 6 kmh den Kanal entlang. Nach der dritten Schleuse gegen 16.30 Uhr ist der Tag zu Ende, die Schleusen schließen um 17 Uhr . Am Wasserwanderrastplatz Finowfurt legen wir an, besorgen Trinkwasser und laufen mit unserer Sackkarre die bepackt mit leeren Benzinkanistern ist zur Tanke. Später fahren wir den Kanal ein Stück zurück und legen an einer Plattform, die an jeder Schleuse ist, für diese Nacht an. Das Wetter hält sich und um 20 Uhr ist die Persenning zu und es ist schön warm und vor allem trocken im Boot. Die Nacht liegt bei 5°C – in unseren Schlafsäcken ist es mollig.

9.6. Auf dem Weg zur Schleuse Schöpfurt sehen wir einen Biber in freier Natur - das ist ein tolles Erlebnis. In der Marina Eisvogel gibt’s Dusche und Toilette. Frisch gestylt sind wir um 9 Uhr an der Schleuse. Aber so schnell geht das nicht. Man muss schon etwas Geduld haben. Etwas später schleusen wir dann, immer 2 Boote – die Perseus und wir. Gegen 15 Uhr zieht ein Unwetter auf. Wir sind vor der Schleuse Ragöse . Es regnet, donnert und blitzt – alles zusammen. Wir haben fast keine Sicht und auch keinen Anleger, es ist schwierig das Boot zu halten. Die Perseus zeigt an wir sollen parallel zu ihr anlegen, das ist eine schwierige Situation. Der Wind fegt übers Wasser. Wir schaffen es. Mit beiden Händen halte ich unser Boot an der Perseus. Es gießt. Meine Jacke ist klatschnaß. Das Wasser läuft mir am Körper runter und auch ins Boot. Der Wind peitscht . Der Schleusenwärter hat kein erbarmen, im strömenden Regen öffnet er die Schleuse für uns. Also dann – schleusen. Ich auf dem Vorschiff mit meinem dünnen Regenjäckchen ( auf der Packung stand wind abweisend und regenresistent - das nächste mal nehme ich richtiges Ölzeug mit ), welches natürlich gleich durchweicht ist. Mir gegenüber auch auf dem Vordeck – die Frau von der Perseus – schön auf die Leinen beim Schleusen achten. „ Nach Regen kommt Sonne `` so heißt der Spruch und so ist es auch. Die Perseusfrau sagt – wir schmeißen die Trocknungsmaschinen an – uns selbst. Abends liegen wir dann gemeinsam vor der Schleuse Liepe . Ein schönes Fleckchen Erde .Ein kleiner Weg führt rüber zum Schiffshebewerk. Man kann super Bilder von Hebewerk schießen. 10.6.Letzte Schleuse im Finowkanal – unsere Wege trennen sich – die Perseus fährt auf die Oder und wir zum Schiffshebewerk. Wir hatten 2 sehr schöne Tage im Finowkanal mit vielen Erlebnissen während der 12 historischen Schleusen. 75 Jahre Schiffshebewerk und nun fahren wir in der Badewanne nach oben – gigantische Gewichte kommen uns entgegen, ein kurzer Blick in Richtung Natur lässt sich erhaschen, und viel zu schnell ist alles vorbei. Ein Stück O-H- Kanal entlang und dann in den Werbellinkanal – 2 Selbstbedienungsschleusen und um 15.30 Uhr erreichen wir den Werbellinsee. Der Wind frischt auf, der See wird zunehmend rubbeliger – wir müssen einen Anlegeplatz finden – dort beim Fischer. Die Gaststätte hat eine Terrasse zum See, wo alles voller Gäste sitzt. Wir versuchen unser Anlegemanöver mit einigem Gepolter und wahrscheinlich zur Belustigung einiger Gäste , aber am Ende haben wir unsere Aquarius sicher verzurrt. Wir essen lecker Fisch, der See wird spiegelglatt und es gibt einen herrlichen Sonnenuntergang.

11.6.Heut ist Persenningtag – es regnet, wir sind zurück auf dem O-H-Kanal. Vor der Schleuse Lehnitz warten wir. Es zieht eine dunkle Wand am Himmel auf. Die Ampel der Schleuse wird grün. Wir fahren natürlich rein – auf dem Vorschiff stehe ich im strömenden Ragen und halte die Seile während der Schleusung. Wieso haben wir nicht einfach vor der Schleuse gewartet bis die Husche vorbei ist ? Nein, wir müssen rein, nur weil man bei grüner Ampel fahren muss, ps. wir waren nicht die einzigen. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz und will nie wieder Boot fahren. Auf der Havel wird es stürmisch, die Kinder mit den kleinen Optimisten sausen an uns vorbei. Die Aquarius stampft tapfer durch die See. Gegen 20 Uhr, nach 11 Stunden Fahrt fummeln wir uns mit viel Wind an unseren Heimatliegeplatz im Pohlesee.

12.6. Heute sind wir faul – Frühstück erst nach acht. Wir machen eine schöne Potsdamtour. Wir tanken das Boot an der Wassertankstelle. Ich schieße ein paar schöne Fotos. Es sind viele Boote unterwegs, die meisten mit geschlossener Persenning. Wir fahren offen. Na, was ist das denn – es wird böig – schnell die Persenning raus, gleich gibt’s eins auf die Mütze. Ich halte die Persenning mit beiden Händen über das Boot, ich schaffe es nicht sie vorn festzumachen – der Wind bläst unter sie – es sieht bestimmt lustig aus, wie ein Segel. Mir ist nicht zum lachen, wieder eine Situation aus der man lernt. Der Regen legt sich, wir tuckeln zum Hafen. Nachmittags putzen wir das Boot.


Wir hatten sehr schöne Tage mit der Aquarius – sie hat ihre Arbeit super gemeistert.


Danke an meinen Mann,
der mich sicher durchs Brandenburgische geschippert hat!!!


Danke, Herr Hahn, für das tolle Boot!!!


Und an alle die mit der Aquarius unterwegs sind - seit vorsichtig mit ihr,
wir wollen nächstes Jahr wieder auf Tour.
Eure Andrea


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Diese Seite wurde zuletzt am 11.05.2010 um 23:55 Uhr aktualisiert.
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