Ostseetour 2004: Seite 3


Die Bank am Stettiner Haff. In Nordost liegt die Swinemünder „Kaiserfahrt“.

So in etwa sieht etwa der Blick gegen Swinemünde aus. Viel zu sehen ist nicht, die rote Tonne liegt gleich auf der Grenze zu Polen und gibt die Richtung vor. Am nächsten Morgen geht es gleich wieder los, Kurs Nord-Nordost Richtung Kaiserfahrt. Dazu müssen wir aber wieder erneut am polnischen Zollschiff vorbei. Die müssen uns jetzt bald kennen, so oft wie wir schon das Zollschiff passiert haben.
Die Kaiserfahrt ist die Durchfahrt zwischen Usedom und Wollin, ziemlich breit, d.h. also für große Seeschiffe geeignet. Die Molen sind weithin sichtbar und weisen den Weg.


Einfahrt zur „Kaiserfahrt“ zur Ostsee.


Wohl verdiente Ruhe nach langer Fahrt

In der Kaiserfahrt geht es großzügig geradeaus, so dass man sicher ein kleines Nickerchen machen kann. Unterwegs kreuzen verschiedene Fähren, trotzdem bleibt es eine beschauliche Fahrt. Selbst in den Swinemünder Hafenanlagen ist nur mäßiger Verkehr.


Geschäftige Fähren kreuzen die Kaiserfahrt


Der Swinemünder Yachthafen liegt mitten in der Stadt

An Nordende der Stadt liegt der Swinemünder Yachthafen, mitten in alten Festungsanlagen. Dort herrscht ein geschäftiges Treiben. Yachten kommen und gehen. Crews werden ausgetauscht. Viele polische Yachten mit jungen Leuten gehen nach Schweden oder Dänemark. Polen ist eben eine Seefahrernation mit langer Tradition.

Bekannt als einer der höchsten Leuchttürme der Welt ist der Swinemünder Leuchtturm. Er wurde 1857 erbaut nur knapp drei Jahren Bauzeit. Er ist 68 Meter hoch und steht am Fuß der Ostmole und ist der höchste Leuchtturm an der Ostsee. Die vier konzentrischen ursprünglichen Öllampen wurden in den zwanziger Jahren eine elektrische Beleuchtung ersetzt. Sie hat eine Tragweite von 24 Seemeilen.


Zum berühmten Leuchtturm muss man zur anderen Uferseite


Blick vom Leuchtturm. Hinter den Molen ist die freie Ostsee.

Aus 60 m Höhe kann man weit über die Ostsee schauen. Die Steuerbordmole schützt vor Nord bis Nordoststürmen. Rings um den Leuchtturm herrscht eine rege Hafentätigkeit.

Swinemünde hat viele Seiten und wurde einst als großzügiges Seebad mit großen Parkanlagen angelegt. Man spürt auch heute noch den ursprünglichen Charme eines kaiserlichen Seebades. Überall gibt es schöne Einblicke und Impressionen wie die nachfolgenden Bilder zeigen.


Impressionen 1: Der Tankerbug hebt sich so schön gegen das Wasser ab.


Impressionen 2: Moderne Gasabfüllanlagen.


Impressionen 3: Strandkörbe am Abend


Impressionen 4: Einfahrt zur Kaiserfahrt von der Ostseeseite gesehen

Die Einfahrt von der Ostseeseite hat einen ganz besonderen Charme, da die Steuerbordmole zur Kennzeichnung kreuzförmige Flügel trägt. So drängt sich immer wieder der Eindruck einer holländischen Windmühle auf oder vielleicht auch einer stoffbespannten Windmühle im Hochland von Kreta.

Nach einem Tag der Muße wollen wir weiter nach Nordost, an der Pommerschen Küste hoch. Wir wollen nach der schönen Insel Usedom auch die Insel Wollin umfahren. Guter Segelwind, ein starker bis stürmischer Nordwest–Nord empfängt uns in der Swinemünder Bucht. Aber vorher beim Auslaufen ist uns ein "Faux Pas" passiert.


Stürmische Fahrt

Da wir am Tag zuvor regelrecht beim Seezoll unterhalb des Leuchtturms einklariert haben, dachten wir, wenn es schon nur an der polnischen Küste entlanggeht, könnten wir in aller Ruhe aus dem Hafen auslaufen.
Weit gefehlt! In Polen muß zu allen Gegebenheiten ein- oder auch ausklariert werden. Dies hat man uns dann kompromisslos mit einer Leuchtpistole gezeigt: Wir passierten den Leuchtturm, ich wollte die Seekarten klarmachen und stieg in die Kajüte. Kaum war ich in der Kajüte verschwunden, da hörte ich auch schon einen Knall und konnte ihn zunächst gar nicht zuordnen. Mit dem zweiten Knall sah ich dann schon eine weiße Leuchtkugel aufsteigen. Wir sahen einen Zollbeamten, der wild gestikulierte und auf uns zeigte. So legten wir dann an der Zollstation an und wurden belehrt, wie man in Polen aus und einläuft.
Danach gab es dann keine Aufregungen mehr. Mit frischem und zum Teil stürmischen Segelwind sausten wir an der südpommerschen Küste hoch. Argo stürmte unter zwei Reffs im Groß und unter Sturmfock nur so dahin. Am Strand konnte man Urlauber sehen, die Steilküste von Wollin sah wie auf der entsprechenden Seite im Erdkundebuch aus. Lebendige Naturkunde auf der Steuerbordseite. Gerne würde ich weiterfahren, an der pommerschen Küste hoch, an den Sanddünen von Leba vorbei, um die Halbinsel Hela herum, nach Pillau und dann bis nach Königsberg. Vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr. Das erste Stück des Weges ist uns ja schon bekannt.


Wie weit ist es bis Königsberg?


Immer an der Pommerschen Küste entlang.

Die Segel ziehen gut, die See läuft mit, so kommen wir gut voran. Selbst die Kaffeemug steht noch gut an Deck und dekoriert den Kompass. Die Küste wird immer flacher und gibt so die Mündung der Djiewena frei, die wenn man so will, die östlichsten Mündung der Oder ist. Mit etwa halbem Wind und ein bisschen Motorhilfe geht es dann in die Einfahrt von Djiewenow an der Djiewena. Aus Erfahrung klug geworden melden wir uns dann schnurstraks beim Zoll.


Der Fischerhafen von Djiewenow an der Djiewena


Vor Anker hinter der Insel Wollin

Die Djiewena zu fahren war wirklich ein besonders guter Entschluß. Wir waren das einzige deutsche Boot. Insgesamt gibt es hier wirklich wenig Schiffsverkehr und Sportboote. Meist sind wir allein unterwegs und müssen uns so den Weg alleine suchen. Kein Problem, da die Tonnen gut zu finden sind. Aber bitte gut an die Fahrrinnen halten, da es viele Untiefen gibt. Sehr romantisch sind die einsamen Ankerplätze, Natur pur!


Im Wasser gibt es reichlich Beute


Die Eisenbahnbrücke von Wollin Höhe ca. 10m

Ein Problem für viele Segelboote kann die Eisenbahnbrücke in Wollin werden. Die Durchfahrthöhe ist mit 10m angegeben, sie ist aber wahrscheinlich höher. Da es keinen Pegel an den Brückenpfeiler gibt, haben auch wir den Mast gelegt. Wir brauchen ca. 13,50 m ab der Wasserlinie.
Wollin ist eine kleine nette Kreisstadt und hat sich nach schweren Zerstörungen im zweiten Weltkrieg wieder gut erholt. Die Hafenfront ist sehr gemütlich. Kleine Bootsklubs laden zum Verweilen ein. Ein Deutscher hat sogar sein Motorboot von Cuxhafen nach Wollin verlegt und scheint sehr zufrieden zu sein.


Wollin, eine reizende Stadt mit guten Anlegemöglichkeiten.


Kurz vor Ende der Reise, die letzten Schleusen am Friedrichtaler Kanal

Von Wollin aus geht es leider fast auf direktem Weg wieder zurück. In Ziegenort trafen wir noch einen sehr sympatischen Alleinsegler, mit dem wir uns immer wieder sehr angenehm unterhalten konnten, weil sich unsere Wege nach Berlin immer wieder trafen. Zuletzt an der Schleuse Oranienburg. Vielleicht sehen wir uns im nächsten Jahr wieder! Wir würden uns das schon sehr wünschen, Herr Prof. Groll!


Hohensaaten, das Ende des Oder-Havel-Kanals. Bald in Berlin zurück.

Argo und auch wir kamen wieder wohlbehalten nach Berlin zurück. Die drei Wochen vergingen wie im Fluge. Schade, die Arbeit wartet wieder, aber Argo wird noch oft die Ostsee befahren!

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Diese Seite wurde zuletzt am 17.03.2008 um 00:13 Uhr aktualisiert.
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